Erika Bhanji
Tel.: 02921-61679
Ampen, im September 2009
Liebe Freundinnen und Freunde,
dieses Mal bin ich von München über Dubai nach Uganda geflogen. Ich wurde wieder von einem Filmteam begleitet. Das diese Anreise allerdings 4 Tage dauern würde, war mir vorher nicht klar. Unser AIR Cargo kam erst 24 Stunden später an. So waren wir gezwungen, in Entebbe zu übernachten. Da wir unser Gepäck erst am Nachmittag ausgehändigt bekamen, mussten wir eine weitere Nacht in Uganda verbringen, da die Grenzen nach Tansania bereits um 20.00 Uhr schließen. Da es uns wichtig war, die Materialien für die Solarkocher und Solarlampen zollfrei nach Tansania einführen zu können, mussten wir am nächsten Tag wieder 10 Std. am Zollamt warten. Gegen 22.00 Uhr kamen wir dann endlich völlig erschlagen und entnervt in Ntoma an. Die Begrüßung durch meine afrikanischen Geschwister entschädigte uns für die lange Anreise. Dora hatte mit einigen Frauen gekocht. Das Brot lag frisch gebacken auf dem Tisch. 3-4 Tage habe ich zum regenerieren gebraucht.
Meine ersten Entdeckungen waren, dass das gesamte Areal beackert und bepflanz war. Außer Artimesia stand der rote Hibiskus, grüne Paprika, Zwiebeln, Karotten, verschiedene Sorten Spinat und Weißkohl zum ernten bereit. Säckeweise konnte das Erntegut verkauft werden. Die gute Ernte ist dem guten Ziegenmist zu verdanken. Die gute Ergebnis der Ernte führte auch dazu, dass die Frauen jetzt täglich frisches Gemüse für die gesamte Familie zubereiten. Die Erfahrung, dass auch in Ntoma Zwiebeln wachsen und nicht nur im Hochland von Karagwe erfreute mich ganz besonders. Der Garten Eden entspricht jetzt genau meinen Vorstellungen.
Das zweite High light waren die 50 Solarlampen mit Radios. Nachdem ich mich gut erholt hatte, haben wir die Lampen ausgepackt. Kaijage, unser Nachtwächter war ein gelehriger Schüler, denn er konnte nach kurzer Anleitung die Lampen selbständig zusammen bauen. Nun brennen die Lampen in 50 Hütten und bringen ein wunderbares Licht. Mit „Gisa kwaheri – Jua karibu“ d.h.: Finsternis adé, willkommen das Licht! brachten die Frauen ihre Freude zu Ausdruck.
Mit der gleichen Freude wurden die Solar-Boxen nach Ulog, Freiburg aufgenommen. Nachdem wir noch 300 kg Baumwolle - 0,30 € je Kilo -, 5 Sperrholzplatten je 2,50 x 1,20 mtr. -10,00 € je Platte-, dazu die Doppelglasscheibe, die je Ofen 10,00 € kostet und den dazu passenden Rahmen für je 5,00 €, beschafft hatten, konnte mit dem Bau der Öfen begonnen werden. Die erforderlichen Schaniere sowie Handtacker und Klammern hatte ich von Soest mitgenommen. Nachdem 4 Öfen fertig waren und insgesamt zwölf Frauen einen entsprechenden Kochkurs für Solar-Öfen absolviert hatten, konnten die ersten Mahlzeiten zubereitet werden. Alle waren – genau wie ich – begeistert von dem Ergebnis. Morgens um 8.00 Uhr wurden in jeden Ofen 2 Töpfe mit Wasser gestellt. Bereits um 10.00 Uhr zeigte das angebrachte Thermometer 120 – 130 °. Hier war es ein leichtes, Reis, Maismehl, die eingeweichten Bohnen, Süßkartoffeln und Kochbananen in dem heißen Wasser zu garen. Während der Kochzeit von ca. 2 – 2,5 Std. hatte ich die Möglichkeit, die Frauen zu unterrichten. Der Sonne entsprechend musste der Ofen ca. jede halbe Stunde dem Sonnenstand nach ausgerichtet werden. Selbst der Maisbrei, der eigentlich sehr viel Arbeit macht, da er mit der Zubereitung unseres Brandteiges vergleichbar ist, wurde ohne rühren gar. Bisquitteig in Muffin- und kleinen Backformen gelang ebenfalls vorzüglich. Selbst Erdnüsse waren bei ca. 120° - 140 ° nach ca. 3 Stunden geröstet. Allerdings mussten sie auf Backpapier gelegt werden.
Durch die größte Hitze von 13.00 – 16.00 Uhr ist es den Frauen möglich, neben dem Mittagessen auch das Abendessen im Solar-Ofen zuzubereiten. Die Frauen freuten sich über die Erfahrung, dass die afrikanische Sonne eine so große Kraft hat, die Mahlzeiten auf diese Art und Weise zu garen.
Mein Ziel, die Männer mit einzubeziehen, habe ich erreicht. Denn unsere Schreiner sind bereit, den Männern den Solar-Ofen- Bausatz zu erklären, damit sie verstehen, wie ein solcher Ofen durch die Sonneneinstrahlung funktioniert. Sie wollen den Ofen gern für ihre Familie kaufen, denn dadurch sparen sie täglich 1,00 € für Brennholz.
Leider mussten wir feststellen, dass die chinesischen Aluminiumtöpfe mit Deckel, die wir noch schwarz anmalen mussten, nicht geeignet sind, da die vorhandenen Kunststoffgriffe während des Kochvorgangs abfielen. Deshalb ist die Anschaffung neuer schwarzer Aluminiumtöpfe mit Glasdeckel erforderlich. Ein Satz Töpfe, bestehend aus 3 Töpfen in verschiedenen Größen kostet ca. 30,00 €. Des weiteren benötigen wir dringend Topflappen aus Baumwolle.
Ausbilden und anlernen der Frauen für den Umgang mit den Solar-Öfen hat sehr viel Zeit und Kraft in Anspruch genommen. So stand die geplante Zeit für das Handarbeiten nicht mehr zur Verfügung. Dieses Vorhaben wird bei meinem Besuch im nächsten Jahr als erstes aufgenommen.
Eine ganz besondere Freude war für mich, meinen Freund Peter Schmidt aus Amerika, den ich während meiner Tätigkeit als Hebamme in Kashsha in den Jahren 1968 – 1970 kennen gelernt habe, wieder zu treffen. Er war damals Student der Geologie und Ethnologie und lebte mit seiner Frau und seinem damals einjährigen Sohn in meiner Nachbarschaft im Dorf von Kashsha. Er war beteiligt an den Ausgrabungen des Schmelzofens unterhalb von Ntoma am Victoriasee, wo bereits vor ca. 2000 Jahren Eisenerz bei sehr hohen Temperaturen von ca. 2000 ° geschmolzen wurde.
Zu meiner großen Freude wird er im nächsten Jahr für mehrere Monate in Ntoma wohnen. So werde ich ihn und seine Frau bei meinem nächsten Besuch in Afrika wieder treffen.
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Mit dankbaren und freundlichen Grüßen
Ihre
Erika Bhanji
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